Behandler/-innen

Wissenschaftliche Hintergründe

Wissenschaftliche Studien, die mit subjektiven und objektiven Erhebungsmethoden die körperliche Aktivität und das Sporttreiben erfasst haben, zeigen, dass eine Krebstherapie im Kindes- und Jugendalter mit drastischen Einschränkungen der körperlichen Aktivität einhergeht und die Mehrzahl der stationär aufgenommen Kinder am Tag 23 Stunden und mehr im Bett verbringt (Winter et al. 2009; Götte et al. 2014). Daher ist ein erstes Ziel der Bewegungstherapie, die Patienten und Patientinnen zum Aufstehen zu motivieren und die Inaktivität zu durchbrechen, da bereits geringe körperliche Aktivität eine signifikante Bewegungssteigerung bedeutet und einen positiven Einfluss auf das Herz-Kreislaufsystem hat. Strukturierte Bewegungsförderung ist jedoch kein Baustein in der Grundversorgung kinderonkologischer Patienten, obwohl Bewegung als integraler Bestandteil der motorischen, physischen und sozialen Entwicklung gilt und die gesundheitliche Bedeutung für Kinder und Jugendliche unumstritten ist.

Positive Effekte durch körperliche Aktivität auf die Fitness und das psychische Wohlbefinden sind in der Erwachsenenonkologie bereits wissenschaftlich fundiert nachgewiesen und auch bei pädiatrischen Krebspatienten deuten erste Ergebnisse auf positive Auswirkungen hin, die in mehreren aktuellen Reviews zusammenfassend dargestellt wurden. Aufgrund der bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse, in Kombination mit allgemein gültigen Kinderrechten auf adäquate Bewegungsförderung (Recht auf Sportpädagogische Förderung – geschrieben im Schulgesetz; Recht auf Spiel und altersgemäße aktive Erholung – geschrieben in den VN Kinderrechtskonventionen 2012, Artikel 31), sollte den jungen onkologischen Patienten der Zugang zu Bewegung und Sport während den unterschiedlichen Therapiephasen und in der Nachsorge ermöglicht werden. Dies schließt in besonderem Maße die Integration in den Schul- und Vereinssport ein. Auch in den Europäischen Standards für die Behandlung krebskranker Kinder der SIOP Europe lautet die Empfehlung: „Bewegung und sportliche Aktivitäten sind auch für Patienten im Krankenhaus vom ersten Tag der Behandlung an wichtig“ (Warschau 2009, Seite 9).

Der Wunsch nach sportlicher Reintegration und mehr Angeboten in der Versorgung wird nicht nur in diversen Richtlinien ausgedrückt, sondern entsteht direkt bei den betroffenen Kindern, Jugendlichen und Familien. Dies wurde durch eigene wissenschaftliche Studien gezeigt und schließt in besonderem Maße die professionelle individualisierte Bewegungsanleitung durch geschultes Personal mit ein. 

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