Themenwoche „Meine Erfahrungen zu Sport mit einer Beinprothese“

Hallo, ich bin Elena, 17 Jahre alt und ich habe eine Beinprothese (Umkehrplastik) am linken Bein seitdem ich 3 Jahre alt bin. In dieser Themenwoche werde ich von meinen Erfahrungen zu Sport mit einer Beinprothese an fünf Beispielsportarten berichten.

Schwimmen

Ich habe Schwimmen genauso gelernt, wie Kinder ohne eine Beinprothese auch – Als ich circa 5 Jahre alt war in der Schwimmschule in der „Seepferdchen Gruppe“.  Damals habe ich beim Schwimmen die Prothese ausgezogen, aber inzwischen habe ich eine Schwimmprothese, die ich immer dann trage, wenn ich ins Schwimmbad, ins Freibad oder an den Strand gehe. Der Nachteil einer Schwimmprothese ist zum einen, dass es natürlich schwieriger ist, die Schwimmbewegungen gut auszuführen, da es einen stärkeren Wiederstand gibt, zum anderen, dass die Prothese aus Plastik gebaut ist, welches auf dem Wasser schwimmt, sodass es ständig ein leichter Kraftaufwand ist, die Prothese unter Wasser zu halten. Außerdem dauert das Trocknen der Prothese nach dem Schwimmen relativ lange. Man muss also einfach ausprobieren, ob man sich wohler fühlt mit oder ohne Prothese schwimmen zu gehen.

Fahrradfahren

Das Fahrradfahren habe ich im Grundschulalter gelernt, zunächst mit Stützrädern, dann irgendwann ohne. Da ich mein Prothesenbein nicht voll anwinkeln kann, habe ich die Pedale mit einer so genannten Kurbelverkürzung umgebaut. Dies gibt mir die Möglichkeit, die Tretbewegung nur mit dem rechten Bein ohne Prothese auszuführen, während das Prothesenbein nur auf der Pedale ruht und sich minimal mitbewegt. Das ist zwar anstrengender, weil ich die Kraft mit einem Bein aufbringen muss, die man sonst mit zwei Beinen treten würde, aber man gewöhnt sich daran. Manche Menschen mit Beinprothese brauchen diese Kurbelverkürzung auch gar nicht, aber für mich ist es eben einfacher und komfortabler so. In meinem Alltag fahre ich eigentlich überall hin mit dem Fahrrad.

Reiten

Schon in frühester Kindheit habe ich mich sehr für Pferde interessiert. Daher haben mir meine Eltern therapeutisches Reiten nach Abschluss der Therapie ermöglicht. Als ich dann etwas älter war, habe ich das Reiten als richtiges Hobby aufgenommen und auch jahrelang gemacht. Es gibt Menschen mit Beinprothese, die ohne die Prothese reiten, das habe ich allerdings noch nie ausprobiert.

Skifahren

Ich fahre Einbein-Ski, was bedeutet, dass ich die Prothese abnehme und dann auf nur einen Ski fahre. Außerdem habe ich so genannte Krückenskier, die mir als Skistöcke dienen. Diese sind so aufgebaut, dass sie oben etwas wie Gehstützen aussehen und unten eine Art kleine Kufe haben, die sich ein- und ausklappen lässt. Diese Kufe nutze ich, um Kurven zu fahren und teilweise auch für Stabilität. Wenn die Krückenskier eingeklappt sind, kann ich sie als Gehstützen außerhalb der Piste zur Fortbewegung nutzen. Das erste Mal bin ich mit 6 Jahren skigefahren, was zunächst extrem anstrengend war. Ich habe nur sehr langsam Fortschritte gemacht und war jahrelang noch stark auf die Hilfe meiner Skilehrer und Skilehrerinnen angewiesen. Inzwischen fahre ich so gut wie autark Ski, habe gelernt alleine Lift zu fahren und plane, vielleicht bald eine Skilehrerinnenausbildung zu machen.

Schulsport

Am Schulsport mit meiner Klasse nehme ich regulär teil. Natürlich gibt es ab und zu Dinge, bei denen ich nicht oder nur eingeschränkt mitmachen kann. Dann mache ich entweder etwas anderes, helfe meinen Klassenkamerad:Innen oder lerne die Regeln und bin dann die Schiedsrichterin. Sportarten, die für mich persönlich immer sehr gut funktionieren und Spaß bringen sind Sachen wie z.B. Badminton, Volleyball, Schwimmen, Handball oder Basketball. Was eher nicht so einfach ist sind Disziplinen wie z.B. Langlauf, Sprinten und Weitsprung. Es ist wichtig, einmal mit der Sportlehrkraft über die Dinge, die man tun oder nicht tun kann zu sprechen. Außerdem ist es wichtig, dass man im engen Kontakt mit der Schule steht, um einen Vertrag zum Nachteilsausgleich zu verfassen, damit eine faire Benotung gewährleistet ist.